Die Versorgungslücke im Pflegefall - zwei Beispiele aus der Praxis

Vermögensrisiko bei häuslicher und stationärer Pflege

Wie groß Ihre Versorgungslücke im Pflegefall sein kann, zeigen wir Ihnen mit den beiden folgenden Beispielen:
Das erste bei häuslicher, ambulanter Pflege und das zweite bei einem stationären Aufenthalt in einem Pflegeheim.

häusliche Pflege im Pflegegrad 4 stationäre Pflege im Pflegegrad 5
Monatliche Pflegekosten 3.150 EUR * 4.000 EUR ***
– gesetzliche Leistungen - 1.612 EUR ** - 2.005 EUR ****
= Monatliche Lücke 1.538 EUR 1.995 EUR
Jährliche Lücke (monatliche Lücke x 12) = 18.456 EUR 23.940 EUR
Vermögensrisiko durch Pflege
nach 5 Jahren (jährliche Lücke x 5)
= 92.280 EUR = 119.700 EUR
* 3 Stunden täglich bei 35 Euro pro Stunde = 3.150 Euro im Monat. **Pflegegrad 4, ambulante Pflege ab 1.1.2017 *** Kostensatz Pflegeheim 3.500 Euro + 500 Euro für den täglichen Bedarf - z.B. Medikamente, Haarpflege, laufende Kosten einer Wohnung etc. **** Pflegegrad 5, stationäre Unterbringung (ab 1.1.2017)

Die Pflegegrade auf einen Blick

Pflegegrade Beeinträchtigungen
Pflegegrad 1 geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit
Pflegegrad 2 erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit
Pflegegrad 3 schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit
Pflegegrad 4 schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit
Pflegegrad 5 schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit
mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung

Pflegestärkungsgesetz II

Ab 1. Januar 2017 entfaltet das Pflegestärkungsgesetz II in vollem Umfang seine Wirkung: Rund 2,7 Millionen Pflegebedürftige werden dann automatisch in die fünf neuen Pflegegrade eingestuft. Niemand, der zu diesem Zeitpunkt Leistungen bezieht, wird durch die Reform schlechter gestellt. Im Gegenteil: Viele Menschen profitieren erstmals überhaupt von der Pflegeversicherung oder erhalten Anspruch auf verbesserte Leistungen. Neue Begutachtungen erfolgen von nun an auf Basis des neuen Instruments.

  • Individuellere Pflege für alle Pflegebedürftigen
    Statt drei Pflegestufen wird es künftig fünf Pflegegrade geben. Durch den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff können individuelle Fähigkeiten und Beeinträchtigungen der Pflegebedürftigen genauer erfasst werden.
  • Fokus auf Selbstständigkeit im Alltag
    Neben körperlichen Beeinträchtigungen werden nun auch kognitive und kommunikative Fähigkeiten berücksichtigt. Ausschlaggebend für die Pflegeleistungen ist der Grad der Selbstständigkeit.
  • Gleichberechtigte Leistungen für Demenzkranke
    Die Belange der 1,6 Millionen Menschen mit einer demenziellen Erkrankung in Deutschland werden bereits bei der Einstufung in einen Pflegegrad berücksichtigt.
  • Unbürokratische Überleitung
    Für Menschen, deren Pflegebedürftigkeit bis Ende 2016 festgestellt wurde, gelten einfache Übergangsregeln. So wird beispielsweise bei Pflegebedürftigen mit ausschließlich körperlichen Einschränkungen aus Pflegestufe I bzw. II automatisch Pflegegrad 2 oder 3.

Quelle: Bundesministerium für Gesundheit