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Wohnen

Die Schwammstadt: Effektiver Schutz vor Hochwasser und Hitze?

04.02.2026 - Wie rüsten wir Städte gegen den Klimawandel? Die Schwammstadt nutzt die Natur als Vorbild: Wasser speichern statt ableiten. Wie das Konzept funktioniert, wo es bereits umgesetzt wird und was Sie selbst tun können, erfahren Sie hier.

Lesedauer: 5 Minuten

Der Klimawandel stellt unsere städtische Infrastruktur vor enorme Herausforderungen. Starkregen führt häufiger als früher zu überlasteten Kanalisationen und Überflutungen. Gleichzeitig lassen Hitzewellen manche Innenstädte unerträglich heiß werden. Das Problem: Unsere Städte sind durch Beton und Asphalt versiegelt, Grünflächen zur Kühlung fehlen.

Diese Entwicklung bedroht nicht nur unsere Lebensqualität, sondern auch die Sicherheit unserer Häuser und die Stabilität der Infrastruktur. Eine Lösung, die dabei Abhilfe schaffen könnte: die Schwammstadt.

Was ist das Prinzip der Schwammstadt?

Traditionell wurden Städte so gebaut, dass Regenwasser möglichst schnell über die Kanalisation abgeleitet wird. Bei extremen Wassermassen kann dies jedoch zur Überlastung der Rohre und zu Überschwemmungen führen. In Trockenphasen fehlt das Wasser jedoch schmerzlich.

Das Schwammstadt-Prinzip (engl. „Sponge City“) beschreibt eine städteplanerische Strategie, bei der die Stadtfläche so umgestaltet wird, dass sie wie ein natürlicher Schwamm funktioniert. Anstatt Niederschlagswasser schnellstmöglich über die Kanalisation abzuleiten, soll es dort, wo es fällt, aufgenommen, gespeichert und zeitverzögert wieder an die Umgebung abgegeben werden.

Kernstück der Schwammstadt ist die sogenannte blaue und grüne Infrastruktur. Sie ersetzt die klassische „graue Infrastruktur“ (Kanalrohre und Beton) und nutzt die natürlichen Kreisläufe von Wasser und Pflanzen.

  • Bei Regen: Das Wasser wird lokal gesammelt und zurückgehalten (Entlastung der Kanalisation).
  • Bei Hitze: Das gespeicherte Wasser verdunstet und kühlt die Stadt (natürliche Klimaanlage).
  • Bei Dürre: Das Wasser steht der städtischen Vegetation zur Verfügung.

Warum brauchen wir Schwammstädte?

Die Notwendigkeit des Wandels wird durch zwei zentrale, klimabedingte Probleme in unseren dicht besiedelten Gebieten vorangetrieben:

  • Starkregen und Hochwasser

    Die Kanalisation vieler Städte ist für die Intensität und Menge des Niederschlags, wie er durch den Klimawandel heute häufiger auftritt, nicht ausgelegt. Bei Starkregenereignissen kann das schnell zur Überlastung der Kanalisation und zu Überflutungen führen.

    Eine Schwammstadt wirkt diesem Problem präventiv entgegen, indem sie das Wasser dezentral in Gründächern, Mulden und durch Entsiegelung von Flächen speichert. Dadurch wird der Spitzenabfluss verringert, das Kanalsystem entlastet und das Risiko von Überflutungen deutlich gesenkt.

  • Hitzeschutz und Stadtklima

    Versiegelte Oberflächen speichern tagsüber Hitze und strahlen sie nachts wieder ab – der sogenannte Wärmeinseleffekt (engl. „Urban Heat Island Effect“) entsteht.

    Pflanzen hingegen speichern Wasser und nutzen es zur Verdunstung. Durch diesen natürlichen Prozess wird der Umgebung Wärme entzogen, sodass die Lufttemperatur, je nach Intensität der Begrünung, um mehrere Grad gesenkt werden kann. Eine Schwammstadt bietet somit an heißen Sommertagen einen essenziellen Hitzeschutz und verbessert das Mikroklima.

Wie funktioniert eine Schwammstadt? Die wichtigsten Maßnahmen im Überblick

Eine Schwammstadt besteht aus vielen Bausteinen, die ineinandergreifen:

  1. Entsiegelung von Flächen: Wenn Asphalt durch wasserdurchlässige Materialien (z. B. Rasengittersteine) ersetzt wird, kann der Boden das Wasser direkt aufnehmen und das Grundwasser anreichern.
  2. Grüne Dächer und Fassaden: Sie speichern Regenwasser und verdunsten es später. Das kühlt nicht nur die Umgebung, sondern isoliert auch die Gebäude und verbessert die Luftqualität.
  3. Mulden-Rigolen-Systeme: Das sind begrünte Vertiefungen, die sich oft am Straßenrand oder in Parks befinden. Sie sammeln Wasser bei Starkregen, speichern es in unterirdischen Kiesbetten und lassen es langsam versickern.
  4. Baumrigolen: Stadtbäume erhalten unterirdisch große Speicherräume. Sie nehmen Straßenabwasser auf, was ihr Überleben in Trockenzeiten sichert und gleichzeitig die Kanalisation entlastet.
  5. Multifunktionale Retentionsflächen: Parks oder Plätze werden tieferliegend angelegt, sodass sie bei extremem Starkregen kurzzeitig als Auffangbecken dienen können, ohne Schaden zu nehmen.
  6. Anpassung der Kanalisation: Auch das „graue" System wird optimiert. Wo nötig, werden Rohre vergrößert oder unterirdische Pufferspeicher gebaut, falls die naturnahen Lösungen allein nicht ausreichen.

Vorteile einer Schwammstadt

Die Transformation zur Schwammstadt ist mehr als nur Hochwasserschutz – sie ist ein Gewinn auf vielen Ebenen:

  • Verbessertes Stadtklima: Deutlich spürbare Kühlung an heißen Tagen und Reduktion des Feinstaubs.
  • Erhöhte Biodiversität: Begrünte Dächer und entsiegelte Flächen schaffen neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere mitten in der Stadt.
  • Grundwasserneubildung: Das Wasser versickert und füllt die lokalen Grundwasserspeicher auf, wodurch Dürren entgegengewirkt werden kann.
  • Ästhetik: Grünere, lebenswertere und optisch ansprechendere Stadtbilder.
  • Wirtschaftlichkeit: Langfristig sparen Kommunen und Eigentümer Geld durch weniger Wasserschäden und geringere Bewässerungskosten. Zudem steigert ein grünes Umfeld die Attraktivität von Wohn- und Geschäftsstandorten.

Der Blick in die Praxis: Wo gibt es bereits Schwammstädte?

Das Konzept der Schwammstadt ist keine ferne Zukunftsmusik, sondern wird weltweit und auch in Deutschland bereits realisiert.

  • Kopenhagen (Dänemark)

    Nach einer Flutkatastrophe im Jahr 2011 entwickelte die Stadt den „Cloudburst Management Plan". Dafür wurden Plätze, Straßen und Parks systematisch so umgestaltet, dass sie bei extremen Regenfällen das Regenwasser temporär speichern und kontrolliert abfließen lassen können. Ein bekanntes Projekt ist der Tåsinge Plads, der von einem gewöhnlichen Stadtplatz in eine grüne Oase mit speziellen Mulden und Pflanzen verwandelt wurde. Diese nehmen das Wasser auf und lassen es langsam versickern. Auch die „Cloudburst Boulevards“ sind Teil dieser Strategie: Hier wurden Straßen so konzipiert, dass sie bei Niederschlag zu flachen Wasserläufen werden, die das Wasser zu größeren Sammelbecken leiten.

  • Berlin

    Das „Schumacher Quartier“ (ehemaliger Flughafen Tegel) wird nach dem Schwammstadt-Prinzip von Grund auf neu geplant. Auch bestehende Plätze, wie das Rathausforum, werden durch Baumrigolen und Versickerungsflächen optimiert.

  • Ruhrgebiet

    Die „Schwammstadt Ruhr“ möchte das Ruhrgebiet klimaresilienter gestalten, indem sie Flächen entsiegelt, grüne Infrastrukturen wie Gründächer und Fassadenbegrünungen fördert und dezentrale Regenwasserbewirtschaftung implementiert.

  • Hamburg

    Die Elbmetropole rüstet sich mit grüner Infrastruktur und neuen Retentionsräumen gegen Sturmfluten und Starkregen. So wurde beispielsweise das Hein-Klink-Fußballstadion umgebaut. Bei Regen nehmen Rigolen unter dem Sportplatz das Wasser auf, bei Starkregen kann der Sportplatz sogar als Speicherfläche genutzt werden.

Herausforderungen: Wo es aktuell noch hakt

Trotz der Vorteile ist der Weg zur Schwammstadt kein Selbstläufer. Es gibt Hürden, die offen angesprochen werden müssen:

  • Platzmangel: In dicht bebauten Zentren konkurrieren Grünflächen mit Parkplätzen und Wohnraum. Das erfordert Kompromisse und Akzeptanz in der Bevölkerung.
  • Kosten: Der Umbau erfordert hohe Anfangsinvestitionen, die oft nur durch Fördergelder (Bund/EU) zu stemmen sind, obwohl sie sich langfristig rentieren.
  • Koordination: Stadtplaner, Wasserwirtschaft, Verkehrsbetriebe und private Eigentümer müssen eng zusammenarbeiten. Das erfordert komplexe Abstimmungsprozesse.
  • Bewusstsein: Viele Bürger kennen das Prinzip noch nicht. Aufklärung ist nötig, damit Maßnahmen, wie der Wegfall von Parkplätzen für Mulden, verstanden und mitgetragen werden.

Schwammstadt im eigenen Garten: Was können Sie tun?

Nicht nur die Kommunen, sondern auch private Hausbesitzer spielen eine entscheidende Rolle. Jeder Garten und jede Auffahrt kann einen Beitrag zum Schwammstadt-Konzept leisten.

  • Regenwasser sammeln: Installieren Sie eine Zisterne oder eine einfache Regentonne. Nutzen Sie das gesammelte Wasser zur Gartenbewässerung.
  • Flächen entsiegeln: Ersetzen Sie Beton oder dichte Pflastersteine auf Wegen und Terrassen durch wasserdurchlässige Beläge wie Kies oder Schotterrasen.
  • Keine Schottergärten: Diese sind ökologisch wertlos und fördern die Aufheizung. Bepflanzen Sie Flächen stattdessen mit heimischen, trockenresistenten Pflanzen.
  • Grün statt Grau: Prüfen Sie, ob Ihr Carport oder Ihre Garage für eine Dachbegrünung geeignet ist. Manchmal gibt es hierfür kommunale Förderprogramme.

Fazit und Ausblick

Die Transformation zur Schwammstadt ist eine entscheidende Möglichkeit, um mit den Extremen des Klimawandels, wie Starkregen und Hitze, umzugehen. Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt zur Schadensprävention und zum Schutz unserer Lebensqualität.

Trotz aller Anstrengungen bleibt jedoch ein Restrisiko, insbesondere bei unvorhersehbaren Extremereignissen. Während die Schwammstadt physischen Schutz durch Prävention leistet, ist eine passende Elementarversicherung der unverzichtbare Partner für Ihre finanzielle Sicherheit. Denn nur wer präventiv handelt und abgesichert ist, kann sich gegen die steigenden Risiken des Klimawandels wappnen.

Die Autorin: Katharina Schmidl

Katharina Schmidl arbeitet seit 2021 bei der Württembergischen Versicherung als Content Marketing Managerin. Ihre Leidenschaft für Content hat sie während ihres Studiums der Kommunikationswissenschaften entdeckt und seitdem in verschiedenen Positionen in Marketing und Kommunikation eingesetzt.

Konzepte wie die Schwammstadt können die Lebensqualität in Zukunft maßgeblich verbessern.

Katharina Schmidl

Redakteurin württgemacht Blog

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